HINTER DER KAMERA:
Was kaum jemand weiß.
In den letzten Blogbeiträgen ging es um euch – um die Menschen vor der Kamera, um die Aufregung vor einem Shooting, was eigentlich Fotogenität bedeutet oder weshalb wir uns auf Fotos oft ganz anders sehen als im Spiegelbild. Heute möchte ich den Blick einmal umdrehen. Denn obwohl ich bei jedem Auftrag von Anfang bis zum Ende mittendrin bin, bekommt ihr als Kundinnen und Kunden eigentlich nur einen kleinen Ausschnitt meiner Arbeit mit. Ihr erlebt mit mir ein oder zwei Stunden, in denen wir gemeinsam lachen, spazieren gehen, reden und natürlich fotografieren. Doch zwischen eurer allerersten Nachricht und der fertigen Galerie, die schließlich in eurem Postfach landet, liegen viele Stunden an Vor- und Nacharbeit – und noch viel mehr Herz.
Alles beginnt mit einer Nachricht
Für euch ist es vielleicht nur eine Anfrage, doch für mich ist sie der Anfang einer neuen Geschichte. Ich lese jede Nachricht aufmerksam durch und versuche dabei herauszufinden, wer ihr seid. Oft nehme ich mir auch die Zeit euch auf Social Media zu finden, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie ihr euch selbst sehen möchtet. Schließlich ist jedes Profil, das wir in den sozialen Netzwerken von uns preisgeben, auch ein Abbild dessen, wie uns die Außenwelt sehen soll. Als Fotografin ist es für mich auch ein erster Ankerpunkt, was ihr euch von den Bildern wünscht. Denn eines ist mir bei meinen Arbeiten besonders wichtig: Jedes Shooting ist individuell und soll keine Kopie sein. Ihr alle da draußen seid ein Original!
Was passiert als Nächstes?
Ich plane, sofern es zeitlich möglich ist, zwischen eurer Anfrage und dem Shooting einen Kennenlerntermin ein. Mal treffen wir uns auf einen Kaffee, mal telefonieren wir ganz entspannt oder lernen uns per Videoanruf kennen. Vielleicht klingt das nach einem kleinen und scheinbar banalen Detail. Für mich macht genau dieses Kennenlernen aber oft den größten Unterschied. Dabei geht es primär um eines: Die Chemie zwischen uns sollte passen. Wenn wir uns am Shootingtag nämlich wiedersehen, treffen sich keine Fremden mehr. Und genau das nimmt ganz viel Druck heraus.
Natürlich könnte man die Fotografie auch ganz anders angehen: Anfrage beantworten, Terminvereinbarung, 30 Minuten Shooting, ein paar Hundert Bilder in den folgenden Tagen durchschicken und auf Wiedersehen. Ganz wichtig hier: Für manche Fotografinnen und Fotografen ist genau diese Herangehensweise das richtige Konzept und genauso gibt es Kundinnen und Kunden, die exakt das suchen. Daran ist absolut nichts falsch. Wenn ihr euch allerdings für mich entscheidet, entscheidet ihr euch bewusst für einen anderen gemeinsamen Weg.
Vorbereitung ist alles
Gehen wir davon aus, der erste Kontakt ist erledigt, wir haben uns vorab entspannt kennengelernt, was folgt danach? Für meine Kundinnen und Kunden passiert zunächst recht wenig. Für mich beginnt hier die eigentliche Vorbereitung. Ich überlege, welche Location zu euch passt, zu welcher Tageszeit das Licht am schönsten sein wird und ob es vielleicht eine Alternative braucht, falls das Wetter nicht mitspielt. Ich beantworte Fragen zur Kleidung, schaue mir den Sonnenstand an und gehe den Ablauf im Kopf immer wieder durch. Nicht, weil alles perfekt geplant sein muss, sondern weil ich möchte, dass ihr euch am Shootingtag um nichts mehr kümmern müsst. Meist gibt es bevor das Shooting überhaupt stattfindet auch noch den Location-Check vor Ort, um keine unliebsamen Überraschungen zu erleben. Wie einen Weg, der plötzlich gesperrt ist oder auf einer schönen Wiese, auf der das Gras mittlerweile viel zu hoch ist. Das sind Dinge, über die ihr euch zum Glück gar keine Gedanken machen müsst.
Was am Shootingtag wirklich passiert
Am Tag des Shootings selbst bin ich grundsätzlich lieber früher da, als auch nur eine Minute zu spät. Bevor ich losfahre, kontrolliere ich zigmal meine Kameratasche. Und trotzdem erwische ich mich unterwegs manchmal bei dem Gedanken: "Habe ich wirklich alles eingepackt?" Natürlich gehört für mich bei jedem Shooting auch eine gewisse Form der Nervosität dazu. Nicht weil ich mir unsicher bin, sondern weil mir jeder Auftrag und die Menschen vor meiner Kamera am Herzen liegen. Während des Shootings läuft in meinem Kopf erstaunlich viel gleichzeitig ab. Es ist wie eine Achterbahn der Gefühle, ein Auf und ein Ab. Anspannung, Konzentration, Spaß, ständig in Bewegung, die Menschen vor der Kamera dort abzuholen, wo sie stehen, alles im Blick haben, nichts übersehen und sich trotzdem in diesen wunderschönen Augenblicken zu verlieren, um genau diese Momente einzufangen.
Viele glauben, dass mit dem letzten Klick auf den Auslöser meine Arbeit erledigt ist und die Fotos fertig aus der Kamera kommen. So einfach geht es leider dann doch nicht. Zu Hause sichere ich zuerst alle Bilder mehrfach. Danach beginnt das Aussortieren aus hunderten von Bildern. Bevor eure fertige Galerie überhaupt entstehen kann, gibt es noch einen weiteren Schritt, den viele gar nicht kennen. Nachdem ich alle Bilder gesichtet habe, bekommt ihr eine kleine Auswahlgalerie. Diese Bilder sehen zu diesem Zeitpunkt bereits stimmig aus – versehen mit meinem Bildlook und einer leichten Bearbeitung. Trotzdem sind sie noch nicht ganz fertig. Warum ich das so mache? Ich möchte, dass ihr eure Lieblingsbilder aus einer überschaubaren Galerie bewusst selber aussucht. Bei einem Shooting entstehen oft mehrere Hundert Aufnahmen. Würde ich jedes einzelne Bild bis ins kleinste Detail final bearbeiten, würde ein Auftrag unverhältnismäßig viel Zeit in Anspruch nehmen und viele dieser Bilder würdet ihr am Ende vielleicht gar nicht auswählen. Sobald eure Auswahl bei mir eingegangen ist, beginnt dann der eigentliche Feinschliff.
Mit Liebe zum Detail
Und genau dieser Schritt ist wahrscheinlich der zeitintensivste meiner Arbeit. Jedes einzelne Bild wird noch einmal separat geöffnet und von Hand bearbeitet. Und nicht selten passiert es, dass ich mich genau in dem Moment verliere, in dem das Foto entstanden ist. Ich bin jedes Mal aufs Neue fasziniert von den echten Gefühlen, die meine Kundinnen und Kunden miteinander teilen und mir vor der Kamera anvertrauen. Diese besonderen Augenblicke festhalten zu dürfen, lässt mein Herz jedes Mal aufs Neue aufgehen.
Zum Schluss passe ich dann noch Farben und Kontraste an, arbeite Lichtstimmungen heraus, achte auf Hauttöne, entferne kleine störende Elemente im Hintergrund oder korrigiere winzige Details, die während des Shootings einfach nicht auffallen konnten. Bevor eure Galerie online geht, schaue ich sie mir noch einmal komplett an. Ich gebe es zu, manchmal viel zu oft, denn der Perfektionismus lässt sich dann doch nicht ganz abschalten.
Sobald die Galerie verschickt ist, ist der Auftrag für mich noch lange nicht abgeschlossen. Vielleicht denkt ihr, ich klicke auf "Senden", mache den Laptop zu und widme mich direkt dem nächsten Shooting. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall. Ich stecke in jeden einzelnen Auftrag unglaublich viel Zeit, Gedanken und vor allem Herzblut. Wenn dann von euch ein positives Feedback kommt, fällt mir jedes Mal ein kleiner Stein vom Herzen. Meistens freue ich mich noch Tage später über eure Nachrichten. Sie zeigen mir, dass sich jede Minute, jeder Gedanke und jedes kleine Detail gelohnt haben. Und genau deshalb liebe ich meinen Beruf.
Ich hoffe, euch hat dieser kleine Einblick hinter der Kamera gefallen und ihr konntet ein bisschen besser verstehen, was zwischen eurer ersten Nachricht und eurer fertigen Galerie alles passiert.
Bis zum nächsten Blogbeitrag!
Eure Susanne